Impressionen, Informationen und Bilder – der Kardiologie-Kongress in Mannheim

Letzte Woche hatte ich ein menschliches Herz in der Hand. Geschehen auf dem Kardiologie-Kongress in Mannheim, also direkt vor meiner Haustüre. Letztes Jahr hatte ich ihn verpasst und auch dieses Jahr war es eine Frage der Organisation, den kurzen Weg nach Mannheim zu fahren und sich etwas frei und Zeit für den Kongress zu nehmen. Er fiel terminlich in die Osterferien der Kinder und so musste ich mich zunächst mal um eine Ganztagesbetreuung kümmern.

Aber es hat sich gelohnt. Es war jede Menge geboten rund ums Thema Kardiologie. Und da kam es, dass ich eben dieses menschliche Herz in der Hand hatte und mir die Anatomie von einem Experten am echten Organ erklären ließ. Sehr überraschend fand ich dabei, wie groß ein Herz in Realität ist. Man spricht doch immer von der Faustgröße, doch das, was da in der Brust schlägt, ist definitiv größer als eine Faust. Es muss ja auch ganz viel leisten. Schwer ist es nicht besonders, wobei das Gewicht durch die Präparierung auch nicht mehr ganz dem ursprünglichen Zustand entsprach.

Leisten musste ich dann auch etwas an einem anderen Stand, an dem ich bereitwillig bei einem Quiz zugunsten der Kinder-Herzhilfe teilnahm. Gleichzeitig gab es einen Cappuccino dazu und ich dachte schon, dass ich neben all den Ärzten neben mir keine Frage beantworten kann. Weit gefehlt, ich hatte alle sechs Fragen richtig, nur bei einer musste ich bei meiner Nachbarin spicken. Das war aber zugunsten der Kinder-Herzhilfe und somit für einen guten Zweck. Letztendlich war es auch eine Enzymfrage und da ich mich kurz zuvor gerade mit anderen Enzymen beschäftigt hatte, hatte ich hier leider keine Idee.

Die jeweilige Aufmachung der Stände fand ich insgesamt auffällig. Sie waren insgesamt alle nach einem ähnlichen Muster angeordnet. Auf der linken Seite der Stellwand stand in der Regel immer das „Problem“. Dann waren in der Mitte schöne Bilder in einem farblich ansprechenden Design zu sehen und links kam dann die besondere Lösung. Und da hatte jeder seine eigene, ideale und natürlich optimale Lösung.

Beeindruckend waren auf alle Fälle auch die Displays sämtlicher Monitore, die hier ebenfalls präsentiert wurden. Hier hat sich die Technik wie im gesamten Heimelektronikbereich ebenso rasant und faszinierend weiterentwickelt. Bunt, 3D und hochaufgelöst, so präsentierten sich sämtliche Monitoring-Produkte. Auf einigen Demonstrationsliegen lag dann auch der ein oder andere Herr oben ohne und ließ sich die Funktion sozusagen „hautnah“ erklären.

Was mich am meisten fasziniert hat, war die Sprache, die die Experten sprechen. Eindeutig denglisch ist die Devise. Bei den drei Vorträgen, die ich mir angehört habe, war nur von „Follow-up“, „Outcome“, „Late-Lumen-Loss“, usw. die Rede. Der deutsche Vortrag enthielt sehr viele englische Nomen und war somit eher auf Englisch als auf Deutsch. Auch der „Non-ST-Elevation Myocardial Infarction“, kurz NSTEMI, ist ein gängiger Begriff. Es heißt nicht mehr „ST-Hebung“, sondern Elevation.  Neben dieser sprachlichen Besonderheit war aber auch das Thema sehr interessant, da es um innovative Stenttechnologien ging. Hier wird viel getan, fast jeder Hersteller hat hierzu auch eine andere, neue Idee. Scaffolds waren ein heiß diskutiertes Thema, auch im Hinblick auf den Einsatz bei Diabetikern, und die multizentrische FITT-STEMI-Studie.

Nach so vielen Eindrücken, Bildern und Informationen rauchte mir dann irgendwann der Kopf. Und diese Eindrücke wirkten auch noch die nächsten Tage nach. Selbst für mich, die ich weder Ärztin noch Klinikerin bin, gab es viele neue und interessante Erkenntnisse.

Und wieder eine „neue“ medizinische App auf dem Markt

Über medizinische Apps habe ich nicht nur bereits zweimal hier auf meinem Blog berichtet, es erscheint nun im nächsten CE-Routenplaner vom TÜV-Verlag auch ein Artikel von mir zum Thema medizinische Apps.

Nun war vergangene Woche unter heise.de schon wieder etwas über eine neue Handy-App zu lesen: Die „neue“ Erfindung ist gar nicht so neu, denn diese Idee ist schon älter und wurde z. T. auch aufgrund der potenziellen Gefahren schon wieder vom Markt genommen. Diese hier heißt nun „goderma“ und sie funktioniert wieder einmal über die eingebaute Kamera des Handys oder Smartphones. Man macht also ein Foto von den Pusteln auf der Haut, von einem Muttermal oder vom Sonnenbrand im Urlaub und sendet dieses Bild an einen Hautarzt. Eine Antwort kommt nach maximal zwei Tagen. Der Hautarzt in Deutschland stellt basierend auf dem Handy-Foto die Diagnose und die wird innerhalb von zwei Tagen zusammen mit einer Therapieempfehlung dann zugesendet. Im Falle eines Sonnenbrands wird dann empfohlen, welche Creme denn nun anzuwenden sei.

Auch hier greifen wieder die vielfältigen Punkte, die ich in den früheren Beiträgen hier und auch in meinem Artikel erwähne. Die Kamera des Handys oder Smartphones ist bei weitem nicht ausgerichtet, um so detaillierte Aufnahmen anzufertigen. Ein Hautarzt verwendet ganz andere Instrumente, um eine Diagnose zu stellen (Lichtlupe, Berührung der Haut). Außerdem fehlen dem Arzt, der die Bilder erhält, sämtliche Daten zur Anamnese des Patienten und natürlich der persönliche Kontakt. Gerade beim Verdacht auf eine bösartige Hauterkrankung ist mit dem Spielzeug Handy oder Smartphone sehr sensibel umzugehen. Eine Ferndiagnose kann in einem solchen Fall fatale Folgen haben.

Diese App soll laut ihren Erfindern eine Erleichterung für den Patienten sein. Unnötige Wartezeiten beim Arzt sollen eliminiert oder verkürzt werden, die Diagnosestellung oder die Beantwortung möglicher Fragen, die man sich über Hautveränderungen stellen mag, werden, egal wo man sich befindet, beantwortet. Auf der anderen Seite fehlt auch hier jegliche Kontrolle des Medizinprodukts. Und um ein solches handelt es sich nun einmal bei dieser medizinischen App, mit deren Hilfe eine Diagnose gestellt wird. Man erhält innerhalb von 48 Stunden eine Antwort auf die medizinische Anfrage und das für schlappe 29 Euro. Die App ist somit also nicht umsonst. Umsonst ist nur das Risiko, dass man eingeht, indem man sich bei medizinischen Belangen auf sein Handy oder Smartphone verlässt.