Ein Wochenende randvoll gefüllt mit Eindrücken aus der chirurgischen Praxis

Am vergangenen Wochenende veranstaltete der BDÜ in Speyer in Kooperation mit dem Sankt Vincentius-Krankenhaus das zweite Medizintechnik-Seminar für Medizinübersetzer und all die, die es werden möchten und sich für den Bereich interessieren. Als Seminarleiterin habe ich das Seminar gemeinsam mit meiner Kollegin organisiert und daran dann auch vollumfassend teilgenommen.

Ich muss sagen, dass die Art und Weise der Seminargestaltung ein voller Erfolg war. Ein ganz besonderes Erlebnis war dabei der Einblick in die Praxis: Nach einer theoretischen Einführung am Vormittag durch die OP-Schwester besuchten wir am Samstagnachmittag den OP des Krankenhauses. Hierzu wurde die Gruppe zweigeteilt, denn 20 Personen sind für einen Besuch im OP einfach zu viel. Aber auch wir zehn verbliebenen Personen bzw. elf mit mir wurden fachgerecht für den OP vorbereitet. Wir zogen uns um und gingen durch die Schleuse, denn nach der Schleuse muss man vollkommen steril sein. Wir besichtigten zunächst einen der drei sich auf dieser Etage befindenden OP und die Schwestern erklärten uns sehr ausführlich sämtliche Instrumente, die Aufbewahrung der Geräte und Instrumente, die Abläufe und letztendlich auch die zentrale Sterilisationseinrichtung. Das Tüpfelchen auf dem „i“ war jedoch ein komplett vorbereiteter OP mit einem Modell (einer Puppe), die wir an der Gallenblase operieren sollten. Das Modell war vollständig intubiert und bereits narkotisiert.

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Anhand der entsprechenden Zugänge und mithilfe der Instrumente wurde uns dann der Ablauf einer solchen Gallenoperation erklärt. Auch die Aufstellung und die Teamorganisation während der OP waren ein Thema. Ich selbst hatte das Glück, dass ich neben der Schwester stand, als sie nach Freiwilligen für die blaue Kleidung gesucht hatte. Die Personen, die am Patienten operieren, sind nämlich absolut steril und tragen im Vergleich zu den anderen Personen im OP und außerhalb des OPs eine blaue Kleidung statt einer grünen Kleidung. Diese wird übergezogen und ab diesem Zeitpunkt darf man nichts mehr anfassen, was nicht steril ist. Der Springer reicht den am OP-Tisch stehenden Personen grundsätzlich sämtliche Dinge außerhalb des hochsterilen Bereichs und nimmt diese auch vom Operateur und von den am Tisch stehenden Personen entgegen.

Es war einfach unbeschreiblich, die Instrumente, mit denen ich in meinem Übersetzeralltag zu tun habe, in der Hand zu halten, zu sehen, wie sie aussehen, wie schwer sie sind und wie sie letztendlich auch eingesetzt werden. Diese Eindrücke gewinnt man tatsächlich nur in der realen Praxis.

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Am zweiten Tag ging es dann weiter mit Vorträgen von den Ärzten. Dabei ging es um die Wirbelsäulenchirurgie und am Nachmittag führten wir eine Trocken-OP am Modell durch. Und zwar implantierten wir eine Hüftendoprothese. Die gesamte Präparation der Haut und des Muskelgewebes blieb uns erspart, doch wir sägten tatsächlich den Hüftkopf ab und präparierten den Oberschenkelschaft sowie den Beckenknochen. Am meisten hat mich dabei beeindruckt, wie viele Kräfte auf die menschlichen Knochen bei einem solchen Eingriff wirken. Bis das Implantat in den Oberschenkel eingesetzt wird, wurden insgesamt drei Raspeln mit dem Schlaghammer eingeschlagen und wieder herausgeschlagen. Schon allein die Knochensäge oder auch oszillierende Säge verursacht einen enormen Lärm. Doch das Hämmern mit dem Hammer auf die Raspel oder später auf das Implantat hat all das noch einmal übertroffen. Und wie gesagt, die enormen Kräfte die dabei auf einen menschlichen Knochen wirken, sind einfach grandios. Zum Schluss hatten wir dann das Implantat in den Femur und gleichzeitig die Hüftpfanne und den Hüftkopf im Beckenknochen implantiert und beides zusammengesetzt.

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Abgerundet wurde die Veranstaltung durch sehr informative, fachliche Vorträge der OP-Schwestern und der Unfallchirurgen des Krankenhauses. Es gab viele Fragen und gerne hätten wir einfach noch weitergemacht. Doch die Zeit war leider vorgegeben und im Grunde genommen zu kurz für dieses hochinteressante und umfassende Thema. Einen Einblick in die Praxis haben wir jedoch alle bekommen. Das sind Erfahrungen, die im Alltag eines Medizinübersetzers unbezahlbar sind. Wie oft haben wir mit medizintechnischen Geräten zu tun und sehen leider nur irgendwelche Abbildungen auf Google, auf der Seite des Herstellers oder anderswo im Internet. Wir hatten jetzt diese Instrumente wirklich in der Hand, wir haben all die Platten, Caches, Schrauben, Implantate, usw. gesehen, die im Falle einer Wirbelsäulenchirurgie oder Hüftendoprothese implantiert werden.

Ein großes Dankeschön an sämtliche Beteiligten, ohne die das alles gar nicht möglich gewesen wäre. Das war ein Seminar, das so in Zukunft auch in anderen medizinischen Bereichen durchaus zu wiederholen wäre. Ganz wichtig war hier einfach der Praxisbezug. Es ist ein tolles Gefühl, eine Raspel oder eine Titan-Schraube in der Hand zu halten. Und anschließend wundert man sich dann ganz einfach, zu was der Mensch als Macher (Operateur) und als Patient alles fähig ist. Der präparierte Beckenknochen steht nun zur Erinnerung auf meiner Duden-Sammlung auf dem Schreibtisch.

Webinar zu klinischen Studien und zum Übersetzen entsprechender Texte

Morgen ist es soweit: mein Webinar mit dem Titel "Ein Überblick über klinische Studien und das Übersetzen von Studiendokumenten" findet statt.

Dabei wird zunächst ein Überblick über klinische Studien im Allgemeinen sowie über die dabei zur Verwendung kommenden Dokumente gegeben. Im Laufe des Webinars wird dann auch auf die zu beachtenden Regelwerke und die beteiligten Institutionen eingegangen. Anschließend werden verschiedene Textarten (Study Protocol, Informed Consent usw.) betrachtet und nützliche Internetadressen (für Glossare, Templates, etc.) vorgestellt.
Zum Abschluss findet ein Übersetzungs-Workshop mit zwei Textbeispielen (EN, DE) und anschließender Besprechung und Diskussion statt.

Das Webinar ist für alle Übersetzer und Übersetzerinnen interessant, die sich im Rahmen Ihrer Arbeit mit dieser Art von Texten auseinandersetzen. Nicht nur, dass zum Teil ganz bestimmte Termonologien zur Anwendung kommen müssen, nein, auch die Berücksichtigung der verschiedenen Zielgruppen bei unterschiedlichen Textarten machen eine intensivere Befassung mit diesem Thema erforderlich.

Das Webinar findet morgen am Mittwoch um 16:00 statt und endet um 17:30 Uhr. Anmeldungen sind noch möglich auf der DVÜD-Internetseite.

Ich freue mich auf alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen!