Und wieder eine „neue“ medizinische App auf dem Markt

Über medizinische Apps habe ich nicht nur bereits zweimal hier auf meinem Blog berichtet, es erscheint nun im nächsten CE-Routenplaner vom TÜV-Verlag auch ein Artikel von mir zum Thema medizinische Apps.

Nun war vergangene Woche unter heise.de schon wieder etwas über eine neue Handy-App zu lesen: Die „neue“ Erfindung ist gar nicht so neu, denn diese Idee ist schon älter und wurde z. T. auch aufgrund der potenziellen Gefahren schon wieder vom Markt genommen. Diese hier heißt nun „goderma“ und sie funktioniert wieder einmal über die eingebaute Kamera des Handys oder Smartphones. Man macht also ein Foto von den Pusteln auf der Haut, von einem Muttermal oder vom Sonnenbrand im Urlaub und sendet dieses Bild an einen Hautarzt. Eine Antwort kommt nach maximal zwei Tagen. Der Hautarzt in Deutschland stellt basierend auf dem Handy-Foto die Diagnose und die wird innerhalb von zwei Tagen zusammen mit einer Therapieempfehlung dann zugesendet. Im Falle eines Sonnenbrands wird dann empfohlen, welche Creme denn nun anzuwenden sei.

Auch hier greifen wieder die vielfältigen Punkte, die ich in den früheren Beiträgen hier und auch in meinem Artikel erwähne. Die Kamera des Handys oder Smartphones ist bei weitem nicht ausgerichtet, um so detaillierte Aufnahmen anzufertigen. Ein Hautarzt verwendet ganz andere Instrumente, um eine Diagnose zu stellen (Lichtlupe, Berührung der Haut). Außerdem fehlen dem Arzt, der die Bilder erhält, sämtliche Daten zur Anamnese des Patienten und natürlich der persönliche Kontakt. Gerade beim Verdacht auf eine bösartige Hauterkrankung ist mit dem Spielzeug Handy oder Smartphone sehr sensibel umzugehen. Eine Ferndiagnose kann in einem solchen Fall fatale Folgen haben.

Diese App soll laut ihren Erfindern eine Erleichterung für den Patienten sein. Unnötige Wartezeiten beim Arzt sollen eliminiert oder verkürzt werden, die Diagnosestellung oder die Beantwortung möglicher Fragen, die man sich über Hautveränderungen stellen mag, werden, egal wo man sich befindet, beantwortet. Auf der anderen Seite fehlt auch hier jegliche Kontrolle des Medizinprodukts. Und um ein solches handelt es sich nun einmal bei dieser medizinischen App, mit deren Hilfe eine Diagnose gestellt wird. Man erhält innerhalb von 48 Stunden eine Antwort auf die medizinische Anfrage und das für schlappe 29 Euro. Die App ist somit also nicht umsonst. Umsonst ist nur das Risiko, dass man eingeht, indem man sich bei medizinischen Belangen auf sein Handy oder Smartphone verlässt.

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