Das Webinar als Weiterbildungsoption – Chancen und Risiken

In der vergangenen Woche fand mein erstes eigenes Webinar mit dem Thema „Ein Überblick über klinische Studien und das Übersetzen von Studiendokumenten“ statt, bei dem ich nicht Zuhörerin war, sondern die Referentin. Es war eine sehr interessante Erfahrung aus dieser für mich neuen Perspektive, die mir persönlich Spaß gemacht hat. Doch für wen und für welche Themen eignet sich eine solche Seminar-Form?

Auf der anderen Seite der Internetverbindung stand ich schon öfter. Viele Weiterbildungsveranstaltungen und auch Meetings werden mittlerweile nicht mehr als Präsenzveranstaltung sondern über das World Wide Web angeboten. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Kosten- und Zeiteinsparung. Und das trifft auch dann zu, wenn man selbst Veranstalter oder Referent bei einem Webinar ist. Ich selbst schätze hierbei sehr die Möglichkeit, der zeitlichen Flexibilität und dass ich lediglich zu einer bestimmten Uhrzeit online sein muss. Ich muss nicht erst zum Seminarort fahren, die Zeit für die Fahrt wird eingespart. Gleichzeitig kann ich das Seminar bequem vom eigenen Schreibtisch und PC aus durchführen. Eine fremde Umgebung und das Einstellen auf ein anderes technisches Umfeld (anderer Laptop, Beamer, usw.) entfallen. Außerdem werden Webinare sehr viel günstiger und häufiger angeboten als Präsenzseminare und stellen somit eine kostengünstige und flexible Weiterbildungsoption dar. Die Möglichkeiten der Einbindung technischer Möglichkeiten und der Verwendung verschiedener Technologien wie zum Beispiel das Teilen von Dokumenten sind sehr viel größer als bei einem Seminar vor Ort mit den Hilfsmitteln Laptop, Beamer und Flipchart.

Wenn ich allerdings den persönlichen Austausch mit den Teilnehmern eines Seminars schätze, dann ist das Webinar nicht die richtige Veranstaltung. Was für den Referenten ja ganz angenehm sein mag, nämlich, dass der Inhalt des Seminars ohne Unterbrechungen im eigenen Tempo vermittelt werden kann, ist aber gleichzeitig auch problematisch, weil ein direktes Feedback fehlt. Fragen können zwar auch während des Webinars über die Chat-Funktion gestellt werden. Ich habe nun aber die Erfahrung gemacht, dass es, wenn man mitten im Vortrag steckt, schwierig bis unmöglich ist, gleichzeitig das Chat-Fenster im Blick zu haben und sofort auf gestellte Fragen und somit auf die direkte Interaktion mit den Teilnehmern einzugehen. Die Fragen habe ich dann zu einem späteren Zeitpunkt beantwortet, wie ich es eingangs erklärt hatte, um so der Beteiligung der Teilnehmer gerecht zu werden. Das war einerseits gut, denn ich konnte mich voll und ganz auf den Inhalt und den Vortrag konzentrieren, andererseits hat mir aber die direkte Rückmeldung gefehlt.

Die größten Sorgen hatte ich vor dem Webinar bezüglich möglicher technischer Schwierigkeiten. Hält meine Internetverbindung? Funktioniert die Tonübertragung? Da ich während dem gesamten Webinar keine Rückmeldung auf meine Frage bekommen hatte, ob man mich gut verstehen kann, musste ich einfach davon ausgehen und bin einfach auch davon ausgegangen, denn ansonsten hätte der Veranstalter, der das Webinar auch aufgezeichnet hat, sicher direkt an mich Rückmeldung gegeben. Ein komisches Gefühl war es dennoch, man wartet auf eine Antwort oder ein Kopfnicken von Seiten der Teilnehmer und – empfängt Schweigen und keine Reaktion. Das ist sicherlich gewöhnungsbedürftig und das muss einem auch liegen. Ich komme hier noch einmal auf den Punkt des gegenseitigen Austauschs. Wer den persönlichen Kontakt sucht, ist sicherlich bei einer Präsenzveranstaltung besser aufgehoben, doch wer sich eher auf die Inhalte der Weiterbildung konzentriert und sich kostengünstig und flexibel weiterbilden möchte, kommt sicher mit der Webinar-Form gut zurecht. Und auch bei einer Präsenzveranstaltung kann es durchaus zu technischen Problemen kommen, wenn beispielsweise der Beamer nicht funktioniert oder der Laptop abstürzt.

Letztendlich ist aber auch noch unbedingt zu beachten, dass sich bei Weitem nicht jedes Weiterbildungsthema für eine Präsentation in Form eines Webinars eignet. Bei einem Webinar werden Inhalte präsentiert, es geht um eine reine Inhaltsvermittlung. Bei Themen, die eine Interaktion zwischen den Teilnehmern und/oder den Teilnehmern und dem Referenten erforderlich machen (zum Beispiel Rollenspiele), ist ein Präsenzseminar die bessere Alternative. Es gibt zwar auch bei einem Webinar die Option, einen praktischen Teil einzubauen, so wie es auch bei mir der Fall mit meiner praktischen Übersetzungsübung war. Doch eine wirkliche Interaktion findet einfach nicht statt. Sicherlich kann das Webinar-Angebot erweitert werden und ich habe auch selbst schon an Tagesveranstaltungen mit Telefonschaltung und Präsentation der Inhalte auf dem eigenen Bildschirm teilgenommen. Natürlich gab es Pausen, wie auch bei einer Präsenzveranstaltung. Im Grunde war das wie eine Präsenzveranstaltung, nur von zu Hause aus und ohne Sichtkontakt zu den anderen Teilnehmern und den Referenten. Unter Einbeziehung einer Webcam lässt sich aber auch das lösen.

Webinare sind für mich persönlich ein Segen. Mir hat es Spaß gemacht und für mich ist eine solche Form der Präsentation optimal. Und letztendlich steht und fällt alles mit der eigentlichen Präsentation – beim Webinar und beim Präsenzseminar.

Wie seht Ihr das? Macht mit bei meiner kurzen anonymen Umfrage zum Thema „Webinar – Präsenzseminar durchführen“ und ich berichte dann natürlich über das Ergebnis.

Was ist für mich die bessere Weiterbildungsoption - ein Webinar oder eine Präsenzveranstaltung?

  • Ich besuche lieber ein kostengünstiges und weniger zeitintensives Webinar. (58%, 7 Votes)
  • Mir ist der persönliche Austausch auf einer Präsenzveranstaltung lieber. (42%, 5 Votes)

Total Voters: 12

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2 Gedanken zu „Das Webinar als Weiterbildungsoption – Chancen und Risiken

  1. Liebe Daniela,

    Ich habe neulich die Ankündigung zu deinem Webinar gelesen, leider zu spät und es war schon vorbei. Ich habe mich sehr gefreut, dass etwas zu medizinischen Themen angeboten wurde! Ich freue mich schon auf das nächste Angebot! Webinare haben für mich klare Vorteile, sparen sie doch Kosten und Zeit. Man kann sich ganz bequem von zu Hause aus fortbilden, spart die Reisekosten und kann ganz entspannt bei einer Tasse Tee zuhören. Selbst wenn man, was in dieser Jahreszeit nicht selten ist, mit einer Erkältung im Bett liegt, kann man dabei sein, während man ein Präsenzseminar absagen müsste.

    Ich finde es gut, wenn in Webinaren/einer Webinarserie Themen kurz und prägnant dargestellt werden mit anschließenden Fragen und es dann vielleicht doch noch ein persönliches Seminar/Treffen (im Anschluss oder zu einem anderen Thema/Anlass) gibt, bei dem man sich dann persönlich kennenlernen und austauschen kann.

    Viele Grüße von Zuzana

  2. Guten Tag, Frau Penn,

    auch ich habe die Ankündigung Ihres Seminars, das mich sehr interessiert hätte, leider erst gesehen, nachdem dieses schon vorbei war. Gibt es hiervon evtl. eine Aufnahme bzw. ein Podcast, das man erwerben kann, so wie das oft bei anderen Webinaren der Fall ist?

    Mit freundlichem Gruß

    Silvia Geissbauer

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