Shutdown in den USA und dessen Auswirkungen auf klinische Studien

Die derzeitige Situation und der Haushaltsstreit in den USA, durch den nächste Woche sogar die Zahlungsunfähigkeit des Landes bei Nichtanhebung der Schuldengrenze droht, wirkt sich nicht nur auf die Wirtschaft aus, sondern behindert auch die klinische Forschung und hat somit auch Folgen für das amerikanische Gesundheitswesen und für internationale Forscher.

Wie im Spiegel vergangene Woche zu lesen war, muss das National Health Institute (NIH) als wichtigstes Studienzentrum der USA Patienten abweisen, da sich etwa drei Viertel der NIH-Mitarbeiter wie alle anderen Staatsbediensteten auch seit Beginn der Ausnahmesituation im unbezahlten Zwangsurlaub befinden. Es gibt keinerlei Neuaufnahmen in Studien außer bei Patienten, bei welchen der NIH-Direktor eine dringende medizinische Notwendigkeit sieht.

Aktuell betreute Patienten werden zwar weiterhin versorgt, doch findet das auch nur eingeschränkt statt. Als öffentliche Behörde ist das NIH vom Shutdown voll betroffen. Forschungsgelder wurden wie alle öffentlichen Mittel eingefroren. Wissenschaftler haben kurz vor dem Shutdown sogar Zellen eingefroren, um nach dem Ende der Ausnahmesituation mit den Forschungen fortfahren zu können.

Die prekäre Situation in den Vereinigten Staaten zeigt aber nicht nur Auswirkungen hinsichtlich des größten Krankenhauses in den USA, in dem derzeit eigentlich 1.500 Studien betreut werden: „Viele der Studien erforschen seltene Erkrankungen, die nirgendwo anders auf diese Art untersucht werden. Für Patienten und Ärzte in den ganzen USA sind diese Studien die letzte Hoffnung, wenn sie am Ende ihrer Möglichkeiten ankommen: Sie bewerben sich, um in einer Studie die Chance auf neue Behandlungsmethoden oder Medikamente zu haben. Doch dieser Weg ist für die Zeit des Government Shutdowns versperrt.“ (Spiegel, 8.10.2013) Auch andere Einrichtungen des Gesundheitsministeriums und Forscher und Studienmitarbeiter sind betroffen, weil auch die vom NIH bereitgestellte Infrastruktur derzeit stillsteht. Das gilt beispielsweise für den wichtigsten Literaturindex im biomedizinischen Bereich Pubmed.gov, der ebenfalls die Auswirkungen zu spüren bekommt, weil aktuell keine neuen Forschungs- und Studienergebnisse veröffentlicht werden können. Von Verzögerungen bei langfristigen Projekten kann ausgegangen werden, da derzeit in den USA aufgrund der eingefrorenen Gelder und der vielen Mitarbeiter im unbezahlten Zwangsurlaub das Forschungsleben zwar nicht vollkommen stillsteht, doch aber weitestgehend eingeschränkt ist. Es bleibt zu hoffen, dass eine Lösung sehr zeitnah gefunden wird, denn die Auswirkungen bei einem Erreichen der Schuldenobergrenze wären sicherlich von unabsehbarem Ausmaß. Und auch ein längeres Andauern des Shutdowns bringt immer weitere Nachteile mit sich.

Schließlich sollte noch erwähnt werden, dass die Standardbehandlung von Patienten in den USA davon nicht betroffen ist. Diese wird nicht von Bundesbehörden geleistet. Nur deren Gelder stehen unter Finanzierungsvorbehalt und deren Mitarbeiter machen derzeit ohne Lohn gezwungenermaßen Urlaub.
 

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