Die Folgen einer nicht wahrgenommenen Nachsorgeuntersuchung in den USA

Im Urlaub bin ich auf einen Artikel im Blog der American Medical News gestoßen, der mich doch sehr nachdenklich gestimmt hat. Demnach läuft man als Arzt in den USA immer Gefahr, Gegenstand eines Gerichtsverfahrens zu werden.

Die Story: Ein Patient wurde mit Brustschmerzen in einem amerikanischen Krankenhaus aufgenommen. Der behandelnde Arzt empfahl aufgrund der Beschwerden einen Herzkatheter. Der Patient wollte diesen Eingriff aber zunächst bedenken und sich diesem  gegebenenfalls später unterziehen. Er wurde daraufhin nach Hause entlassen.

Dort hatte er einen Herzinfarkt, in dessen Folge er verstarb.

Die Familie des Verstorbenen verklagte daraufhin den behandelnden Arzt: dieser hätte den Patienten über die dringende Notwendigkeit der Herzkatheterisierung aufklären müssen. Der Arzt hatte den Patienten zwar über die Risiken in Zusammenhang mit seinem Zustand aufgeklärt, es fehlte jedoch die entsprechende Dokumentation dieser Aufklärung in der Patientenakte und die Familie des Verstorbenen bekam deshalb vor Gericht Recht.

Laut den amerikanischen Experten für das Haftungsrecht stellen nicht wahrgenommene Termine und die fehlende oder ausbleibende Nachsorgebehandlung ein hohes rechtliches Risiko für die Ärzte in den Vereinigten Staaten dar. Dieses nehme auch deshalb weiter zu, weil immer mehr Teamarbeit am Patienten geleistet werde und Patienten auch an immer mehr weitere Stellen weiterverwiesen werden. Aufgrund der daraus resultierenden Unübersichtlichkeit werden Patienten nach nicht wahrgenommenen Terminen von Arztseite aus nicht kontaktiert und auch die medizinische Dokumentation leidet darunter. Laut dem Artikel der American Medical News zeigte eine Überprüfung von Klagen zwischen 2007 und 2011 von The Doctors Company, dass 36 % der Verletzungen von Patienten auf die Nichteinhaltung von Nachsorgeterminen oder von Behandlungsplänen von Patientenseite aus zurückzuführen sind. 24 % resultieren aus Kommunikationslücken zwischen Ärzten und Patienten, 7 % aus Kommunikationsproblemen zwischen Ärzten (wohl auch aufgrund der Unübersichtlichkeit) und weitere 7 % der Verletzungen waren auf verzögerte oder nicht erfolgte Beratungen/Überweisungen zurückzuführen.

Der Dokumentation kommt hier natürlich eine besondere Bedeutung zu, so hätte der Arzt aus dem Beispiel oben vielleicht die Klage der Gegenpartei abweisen können. Bedenklich ist das Beispiel dennoch, denn die Entlassung und ein möglicherweise später durchzuführendes Verfahren waren die Entscheidung des Patienten. Der Herzinfarkt ist zwar tragisch und war ohne weitere Untersuchung (dieser hat der Patient ja nicht zugestimmt hat) für den Arzt nicht vorhersehbar. Ihn deshalb für eine Entscheidung verantwortlich zu machen, die er nicht getroffen hat, ist hart. Mir kam da glatt der Fall zur amerikanischen Produkthaftung bezüglich des Hinweises, dass Haustiere nichts in einer Mikrowelle zu suchen haben, in den Sinn. Seitdem werden Mikrowellenherde mit dem Warnhinweis „Nicht geeignet zum Trocknen von Haustieren“ [Bedienungsanleitung LG MS2024U www.lg.com, 28. Mai 2013 (PDF, Seite 4 Hinweis Nr. 2)] versehen.

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