Mobile Apps im Gesundheitswesen – sinnvoll oder nur eine Spielerei?

Apps gibt es in der Zwischenzeit für nahezu alles. Mittlerweile muss man sich deshalb eher fragen, für welchen Lebensbereich es noch keine App gibt. Das Angebot ist grenzenlos und unübersichtlich und macht natürlich auch vor dem Gesundheitsbereich nicht Halt. Ich selber nutze beispielsweise eine App als Begleitung beim Joggen. Sie zeichnet die Strecke, Durchschnittsgeschwindigkeit und wenn ich möchte auch mein Befinden nach der Runde auf und berechnet anhand der zuvor eingestellten Werte Alter, Gewicht, Größe und Geschlecht den Kalorienverbrauch. So richtig glauben kann ich daran nicht, denn die eigentliche Berechnung ist viel komplexer. Doch die App motiviert mich. Und darum geht es  auch bei sämtlichen anderen Apps im Bereich Gesundheit. Es gibt hier Apps für Endverbraucher, aber auch für Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte. Was bringen die kleinen Programme? Sind sie nützlich oder nur eine Spielerei? Und welche Risiken gehen mit der Anwendung einher?

Es gibt wie bei allem natürlich auch hier sogenannte Gesundheits-Apps, die in gewisser Weise nützlich sind. Hierzu zählen beispielsweise Apps, die einen gewissen medizinischen Nutzen und nur ein geringes Schadenspotenzial für den Endverbraucher aufweisen. Das sind Apps, die Inhalte darstellen wie z. B. Ratgeber, Patiententagebücher sowie Möglichkeiten der Dokumentation zu Therapie und Medikamenteneinnahme. Ähnlich sinnvoll sind auch Apps, die zu einem gesundheitsbewussten Verhalten anregen oder Trainingspläne anbieten. Die 12 besten Gesundheits-Apps für das iPhone sind beispielsweise auf der Internetseite von Vitafil (http://www.vitafil.de/3404) dargestellt (darunter ein Ratgeber zur Ersten Hilfe, ein Gesundheitslexikon, ein Fahrrad-Computer, ein Workout-Coach, u. a.).

Problematisch wird es dann, wenn Überprüfbarkeit und Relevanz der mit den Apps gewonnen Daten einen gewissen medizinischen Nutzen erbringen sollen. Zu nennen sind hier Gesundheits-Apps zu Test- und Diagnosezwecken. Es gibt Apps, die einem was husten, mehrere Erkältungs-Apps, Apps zum Feststellen der Ursache von Rückenschmerzen und vieles, vieles mehr. Ich möchte das Problem exemplarisch anhand von zwei App-Beispielen darstellen: Mit dem Urintest per Smartphone wird Urin über Teststreifen analysiert, die man mit dem mobilen Gerät abfotografiert, das Gerät analysiert das Foto und gibt eine Einschätzung hinsichtlich einer möglichen Erkrankung wieder. Wo liegt hier der medizinische Nutzen? Außer, dass solche Eigentests ohne konkreten Verdacht an sich schon überflüssig sind, liefern diese Tests auch keine Diagnose sondern eher Anhaltspunkte auf Erkrankungen wie z. B. Diabetes. Ein anderes Beispiel, das ähnlich funktioniert, ist die Melanom-App: eine Hautveränderung wird mit dem Handy fotografiert, das dann das Bild analysiert. Und genau hier liegt nicht nur das Problem, sondern auch die Gefahr: Laut wissenschaftlichen Tests (Journal of the American Medical Association Dermatology, online) „variierte die Trefferquote der Programme für Smartphones im Bereich zwischen sieben und 98 Prozent, […], drei der Apps schätzten mindestens 30 Prozent der bösartigen Hautwucherungen fälschlicherweise als harmlos ein“. Es wird vor solchen Apps nahezu gewarnt, denn „wer sich auf die App-Auswertung verlässt und keinen Arzt aufsucht, könne sich in falscher Sicherheit wiegen“. Das mobile Gerät wird hier einfach in ein Labor, Mikroskop und Analysetool verwandelt und der Anwender verlässt sich gutgläubig auf das vermeintlich richtige Ergebnis und spart sich so den Gang zum Experten.

Eine Nutzung solcher Apps birgt eindeutig Risiken! Es fehlen verbindliche Standards und Kontrollen für solche Apps und die meisten Anwendungen, die für den Gesundheits- und Fitnessbereich angeboten werden, unterliegen auch nicht dem Gesetz für Medizinprodukte. Der Markt wächst rasant, ist unübersichtlich und es ist schwierig, Nutzen und Sinn von gefährlichen, meist verborgenen Risiken zu unterscheiden. Bei allem Abwägen darf nicht vergessen werden, dass man mit der Anwendung einer Gesundheits-App nicht automatisch gesünder wird oder lebt. Wichtig ist, selbst aktiv etwas für die eigene Gesundheit zu tun und solange eine solche App einen dabei unterstützt und motiviert und nicht als Ersatz für den Besuch beim Arzt angesehen wird, ist alles im grünen Bereich. Deshalb lieber ein wenig mehr Nutzen und Risiken abwägen und sich nicht einfach blind auf solche App-Diagnoseergebnisse verlassen.

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