Nepp im Netz – gefälschte Travellerschecks für Übersetzungsaufträge

Ein Artikel, den ich vergangenes Jahr für die BDÜ Sprachrohr-Ausgabe März 2012 geschrieben habe und der uns alle betrifft:

"Da auch wir Übersetzer mittlerweile vorwiegend unsere Aufträge über das Internet abwickeln, sind wir leider genauso wenig wie andere Internetnutzer vor fiesen Betrügern gefeit. Ich kann hier aus eigener Erfahrung von diesen Praktiken berichten, die auch andere Kollegen schon so erlebt haben.

Zunächst erhielt ich eine harmlose Übersetzungsanfrage mit der Bitte um ein Angebot von einer angeblich aus den USA stammenden Privatperson. An die Nachricht war ein medizinischer Text in englischer Sprache angehängt, der ins Deutsche übersetzt werden sollte. Nichts Merkwürdiges also, daher nannte ich Auftragswert und Liefertermin. Da es sich um einen Erstauftrag handelte, bat ich allerdings um eine Anzahlung.

Der potenzielle Kunde erklärte sich ohne Weiteres mit allen Konditionen einverstanden und kündigte an, die Anzahlung per Scheck von seiner Anschrift in den USA aus zu leisten. Das verwunderte mich nun doch etwas, weshalb ich erst einmal den Eingang des Schecks abwarten wollte.

Als nächstes erhielt ich eine Nachricht, der Scheck sei bereits unterwegs, allerdings sei er aus Versehen nicht auf die 200 € Auftragswert, sondern auf 2.000 € ausgestellt. Ich möge doch bitte den übersteigenden Betrag per Western Union zurücküberweisen. „Als Sicherheit“ lag ein amerikanischer Führerschein, ausgestellt auf den Namen des potenziellen Kunden, bei.

Was letzten Endes bei mir eintraf, war jedoch kein versehentlich mit einer Null zu viel versehener Scheck, sondern es handelte sich um vier einzelne Travellerschecks à jeweils 500 €. Das machte mich nun richtig skeptisch und ich recherchierte im Internet und wurde fündig. Ich stieß dort auf Warnungen der Landeskriminalämter Niedersachsen, Bayern und Hessen, die vor genau dieser Masche warnen. Nachdem ich nun „meine“ Schecks und den Umschlag, in dem sie geschickt wurden, genauer inspiziert habe, stellte sich heraus, dass die Schecks aus Griechenland kamen und gefälscht waren. Auch die Bankverbindung, die ich erhielt, weil ich vorgab, Western Union nicht nutzen zu wollen, war eine griechische. Offenbar waren auch Name, Anschrift und sonstige Angaben falsch.

Die gefälschten Travellerschecks sind meist von guter Qualität und nicht sofort als Fälschungen zu erkennen. Sie weisen folgende Merkmale auf:

  • Der Silberfaden und das Wasserzeichen sind nicht vorhanden. Sie sind nur aufgedruckt.
  • Beim Hologramm handelt es sich um aufgepresste Aluminiumfolie, deren Kipp- und Farbeffekte fehlen.
  • Der deutsche Text enthält Schreibfehler vorhanden.

Das Perfide ist, dass man im Falle einer Rücküberweisung des gewünschten Geldbetrags nicht nur den finanziellen Schaden hat, sondern sich beim Einlösen der Schecks bei einer Bank sogar selbst strafbar macht. Sobald die Bank die Fälschungen als solche erkennt, hält sich sich bei der Person schadlos, die die Schecks eingereicht hat und erhebt im schlimmsten Fall auch Anzeige wegen Scheckbetrugs.

Ich habe mit diesen Schecks und den gesammelten Daten die Polizei aufgesucht, doch dort wollte man keine Anzeige gegen Unbekannt aufnehmen, da ja nichts passiert sei. Aus meiner Sicht handelte es sich aber um versuchten Scheckbetrug, und das geht uns alle an!

Auch in „Mein BDÜ“ wurde bereits über dieses Thema diskutiert, und es ist mir sehr wichtig, alle Kollegen darauf aufmerksam zu machen. Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen etwas merkwürdig vorkommt, tauschen Sie auf keinen Fall die gefälschten Schecks um und bearbeiten Sie solche dubiosen Anfragen am besten überhaupt nicht."